Wissenden Blickes

Ich bin in vielen Bereichen kreativ tätig, vom Schreiben bis zum RPG-Maker. Dabei mache ich mir natürlich auch über das Handwerkliche dabei Gedanken, nicht nur das Inhaltliche. Und zwar ständig. Es lässt sich nicht abstellen.

Auf einer Seite ist das cool, weil ich auf diese Weise ständig Ideen geliefert bekomme, mit denen ich dann machen kann, was ich möchte. Daran wird es mir garantiert niemals mangeln.

Auf der anderen Seite fällt es mir aber auch nahezu unüberwindbar schwer, einfach zu konsumieren. Ich kann kein Buch mehr lesen, oder zu bemerken, was warum wann eingesetzt wurde, warum diese Szene da ist und was wodurch gezeigt werden soll. Ich kann kaum ein Bild betrachten, ohne dass mir Bildkomposition und Farbgebung auffallen, von den eingearbeiteten Symbolen ganz zu schweigen. Bei Videospielen wurde mir irgendwann klar, dass bei guten Spielen wirklich alles eine designtechnische Entscheidung ist. Seit ich den Kurzfilm-Workshop besucht hab, analysiere ich fast jeden Film auf die Machart, wann welcher Schnitt kommt und warum diese Einstellung.

Das ist hilfreich, keine Frage. Ich durchdenke meinen eigenen Kram vorher intensiver. Aber es ist ein ganz anderes Gefühl. Manchmal wird schreiben dadurch nur zum Schreiben, während ich normalerweise durch die zu Papier gebrachten Worte lebe. Und manchmal ist lesen dann nur lesen, nur Worte auf Papier. Bisher waren es nur kleine Momente, dann ging es wieder. Und bei Büchern, die es nicht schaffen, mich wenigstens beim ersten Run so sehr zu fesseln, dass ich das Medium vergesse, ist es eigentlich nicht schade.

Aber diese Momente. Es ist ein furchtbares Gefühl.

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2 Gedanken zu “Wissenden Blickes

  1. keshchev schreibt:

    Ahh, das spricht mir aus der Seele, Sephi! ❤
    Bis auf, dass es bei mir vielleicht noch extremer ist – dieses "das Medium vergessen" kenne ich so gut wie gar nicht und erwarte es auch gar nicht (mehr). Ich schreibe & lese weil ich Worte liebe, nicht unbedingt Charaktere & Geschichten. Früher habe ich mich deswegen oft schlecht gefühlt, gerade, weil im Internet ja oft solche Rhetorik kommt, wie "wer bei [Szene/Charadeath X] nicht weint, hat kein Herz", aber inzwischen bin ich da voll ok mit. Ich habe schon ein Herz, nur eben an anderer Stelle. Deshalb ist es für mich auch nicht "nur" Schreiben und "nur" Worte auf Papier, sondern gerade diese Worte, losgelöst von allem, sind das höchste der Gefühle & während mich Tod und Liebe kalt lässt, kann mir dann eben ein Komma Tränen in die Augen treiben. Das "Wie" ist größer als das "Was" für mich, immer.
    Jaah. Ich wollte hier nur mal meinen Senf dazu abgeben, weil ich es immer als einen so spannenden Diskurs empfinde, wer wie schreibt und liest und schaut und so.
    <3, Rosa

    Gefällt 1 Person

    • sephigruen schreibt:

      Das freut mich ♥
      Selbstverständlich liebe ich Worte auch, aber beim Schreiben (und das nicht mal nur bei fiktiven Texten) hab ich immer das Gefühl, dass es fließt und ich mich nicht so viele Gedanken über Formulierungen mache. Beim Lesen von fremden Texten (oder nach einer ganzen Weile auch den eigenen) kann es dann auch gern vorkommen, dass ich mich im schönen Text als Text verliere (nicht umsonst hab ich mich durch Mails in Trin verliebt, aye ♥) aber das ist meistens auch ein Mittel, dass der Inhalt lebendiger wird.
      Aber in diesen Momenten, die ich hier meine, kommt es mir wirklich mechanisch vor, ich sitz da, starre auf die Tastatur und denke: „Wer bin ich und was mach ich hier eigentlich?“ Dann steht der Prota nicht mehr hinter mir und schaut mir über die Schulter, dass ich auch ja alles richtig mache.
      Es ist echt interessant, wie unterschiedlich das bei Leuten ist, wie sie damit umgehen und was dabei herauskommt.
      Grüße von Sephi ♥

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