Kopfblockade

Nach einem großartigen Wochenende mit bekannten und neuen Leuten blieb bei mir vor allem der Eindruck übrig, dass mein Zeug belanglos ist. Ich höre ihnen zu, wie sie philosophische Dinge reden, die tatsächlich Sinn haben, wie sie über dies und das nachgedacht haben und wie viele Ebenen noch darunter sind.

Dann sitze ich hier und schreibe … das. Mir ist, als kratzte ich bloß an der Oberfläche dessen, was mir möglich wäre. Ja, ich bin noch sehr jung, aber diese Leute sind zum Teil in meinem Alter. Ich möchte nicht von Neid darauf sprechen, dass sie teilweise aus dem Elternhaus Wissen über Dinge mit auf den Weg bekommen haben, die mich auch so brennend interessieren und die ich mir in der wenigen Zeit, die ich habe, selbst aneignen muss. Ist ja Quatsch, wenn man bedenkt, wie viel Zeit ich in meinen Teeniejahren vertrödelt habe! Nein, das ist kein Neid, ich bin einfach unzufrieden mit mir selbst. Es kann die Phase des Umbruchs sein.

SIE allein beflügelt meine Gedanken, doch sie sind es, nicht die Finger, die es eigentlich sein sollten. Anderen kann ich so leicht einreden, dass auch gedankliche Arbeit viel wert ist, aber ist sie das, wenn die praktische nicht darauf folgt? Mich selbst sehe ich gerade an dem Punkt, da ich mit so vielen Projekten zu Potte kommen und endlich schreiben sollte, weil sie mich schon so lang beschäftigen.

Manchmal wünsche ich mich — nur für einen Entwurf lang — in die Zeit zurück, als ich einfach tippen konnte, ohne dass jede Formulierung auf die Goldwaage zu legen. Als ich seitenweise geschrieben hab und tatsächlich mit Projekten voran kam. Selbstverständlich ist das alles Murks gewesen! Doch spielt das anfangs eine Rolle? Man braucht etwas, von dem man ausgehen kann, eine Vorlage, an der man dann feilen kann. Auf dem Papier, nicht im Kopf, wo alles flüchtig ist. Während des NaNo funktioniert das ganz ausgezeichnet, da kann ich in den wenigen Tagen, an denen ich Zeit habe, ausgesprochen produktiv sein. Doch mit der anschließenden Überarbeitung sieht es im Regelfall auch mau aus. Schlimmer noch, wenn ich nicht fertig geworden bin, denn mich dazu durchzuringen, das dann fertigzustellen …

Während ich Beiträge wie diesen hier schreibe, denke ich dann, dass es doch so schwer gar nicht ist, die Lust kommt auf — und Siehe!, es fiel mir bemerkenswert leicht, diese Sätze hier niederzutippen. Die unbeholfenen Bewegungen, die meine Finger noch vor Wochen machten, ich erinnere mich genau, sind wieder zu dem Fluss fliegender Finger geworden, den ich so sehr vermisst habe.

Hoffentlich hält das länger an als bis zum Klick auf das Dokument. Und auf welches? Welches unter all denen, die angefangen sind und darauf warten, auch zu einem Ende geführt zu werden? Es sind nicht wenige, bei denen die Arbeit in absehbarer Zeit erledigt sein könnte, deren Plan so weit vorliegt, dass es noch weiße Lücken in reizvoller Größe gibt. Und immer wieder kommen neue hinzu, glänzig frisch und voller Spannung.

Der Gedanke, der mich ein bisschen tröstet: Es muss nicht sein. Schreiben macht mir Spaß, auch ohne dass ich Projekte mit der Tiefe des Marianengrabens anstrebe. Nach dem, was ich so höre, scheine ich auch ein Stück weit betriebsblind zu sein, weil alles, was in meine Texte einfließt, für mich ganz selbstverständlich ist. Für den Leser mit völlig anderer Erfahrung und Vorbildung nicht. Und so oder so, die Geschichten unterhalten. Was will man mehr?

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